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Rede mit mir, spiele mit mir!

Bildschirmfrei von Anfang an - 

Neues Projekt sensibilisiert Eltern zur Mediennutzung bei Kleinkindern

Digitale Medien sind allgegenwärtig – auch im Leben der Kleinsten. Um frühzeitig auf Risiken aufmerksam zu machen, haben wir auf Initiative von Gemeindearzt Dr. Franz Bichler und des Vereins Gesundes Tulln - unterstützt von Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk und STR Paula Maringer - das Projekt „Rede mit mir, spiele mit mir“ ins Leben gerufen. Es richtet sich gezielt an werdende Eltern und junge Familien.

Kern des Projekts ist eine neue Informationsbroschüre, die aufzeigt, welche Risiken frühe Bildschirmnutzung birgt, was Kinder in diesem Alter wirklich brauchen – und welche bildschirmfreien Alternativen sich im Alltag gut umsetzen lassen.

Mitgestaltet wurde der Flyer von der Kreativklasse der Volksschule 1 unter der Leitung von Pädagogin Eva Schmircher, deren Zeichnungen und Ideen dem Projekt eine persönliche Note verleihen.

Am 23. September 2025 um 19.00 Uhr fand die Auftaktveranstaltung mit knapp 70 Personen im Minoritensaal statt, bei der die Medienbroschüre vorgestellt wurde. Gesundheitsstadträtin Paula Maringer eröffnete die Auftaktveranstaltung und machte deutlich, wie bedeutsam das Thema für Familien heute ist. Sie hob hervor, dass frühe Medienerfahrungen die Entwicklung von Kindern entscheidend prägen können und deshalb ein bewusster Umgang von Anfang an wichtig ist.

Im Impulsreferat "Bildschirmfrei von 0-3! von Primaria Dr. Cécile Dau erklärte die Primaria der Kinder- und Jugendabteilung, die Entwicklungsschritte von Babys und Kleinkindern und verwies auf zahlreiche Studien, die teilweise massive Auswirkungen auf Lernschritte haben und Entwicklungsverzögerungen erzeugen. Ihre Präsentation ist ist im Anhang zu finden. 

Im Anschluss fand ein interessanter Austausch mit folgenden ExpertInnen statt: 

  • Primaria Dr. Cécile Dau - Universitätsklinikum Tulln, Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde
  • Dr. Wolfram Geyer - Augenarzt
  • OÄ Dr. Arnika Thiede - Barmherzige Brüder Linz, Projekt "Smart(OHNE)Phone"
  • Christoph Rosenthaler MSc - Barmherzige Brüder Linz, Projekt "Smart(OHNE)Phone"
  • Isolde Schachner - Praxis Ergotherapie Tulln 
  • Marietheres van Veen - Saferinternet 

Dr. Wolfram Geyer, Augenarzt, machte deutlich: Kurzsichtigkeit, die schon in jungen Jahren beginnt, ist nicht nur eine Frage der Brille. Je früher sie entsteht, desto stärker schreitet sie im Laufe des Lebens fort und führt zu Folgeerkrankungen. Was viele nicht bedenken, dass in bestimmten Sparten wie z.B. bei der Polizei oder als PilotIn die Sehschärfe über eine Aufnahme entscheiden und so ein Traumberuf vielleicht nicht ergriffen werden kann. 

Dr. Arnika Thiede, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, und Psychologe Christoph Rosenthaler MSc leiten gemeinsam das Projekt „Smart(ohne)phone“ bzw. Smart aufwachsen - https://sites.google.com/phdl.at/smart-aufwachsen Ziel ist es, Eltern von Anfang an für die Risiken der Bildschirmnutzung zu sensibilisieren und Alternativen aufzuzeigen.
Christoph Rosenthaler erklärte, dass in den letzten Jahren vermehrt Kinder Symptome zeigen, die Autismus ähneln – obwohl es sich nicht um Autismus handelt. Dieser sogenannte „Pseudo-Autismus“ entsteht, wenn Kinder zu viel Bildschirmzeit haben und dadurch wichtige soziale Lernerfahrungen fehlen, sie sprechen kaum, reagieren nicht auf ihren Nahmen oder spielen nicht mit anderen Kindern.
Hier finden Sie eine Podcast-Serie zum Thema: https://gsunde-viertelstunde.podigee.io/s1e65-neue-episode und den youtube - Kanal: https://www.youtube.com/@smart-aufwachsen 

Ergotherapeutin Isolde Schachner betonte: Freies Spiel bedeutet, dass Kinder selbst bestimmen, womit und wie sie spielen. Ohne ständige Vorgaben oder digitale Reize entdecken sie ihre Kreativität, Fantasie und Problemlösefähigkeiten.

Elterngruppenleiterin und Safer-Internet-Botschafterin Marietheres van Veen machte Mut, den Alltag bewusst mit Freude zu füllen. Gemeinsames Lachen, Singen und Tanzen stärkt die Bindung und fördert Sprache, Motorik und Selbstvertrauen. Leider fehlen oft die Ideen, was Eltern mit ihren Kindern gemeinsam in der Freizeit erleben können. 

Abschließend betont Dr. Cecilé Dau, dass Eltern sich nicht unter Druck setzen sollten, alles perfekt zu machen. Fehler gehören zum Alltag und sind ganz normal – wichtig ist vor allem, dass man sie erkennt und bereit ist, dazuzulernen. Kinder profitieren nicht von Perfektion, sondern von liebevoller Begleitung und dem ehrlichen Bemühen der Eltern. 


Die Medienbroschüre liegt beim Tullner Bürgerservice auf und kann unter: info@gesundes-tulln.at bestellt werden. 

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Risiken und Empfehlungen

Die Nutzung von digitalen Medien von Babys und Kleinkinder kann negative Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben. Studien zeigen, dass übermäßige Bildschirmzeit die Sprachentwicklung verzögert, Konzentrationsprobleme fördert und soziale Fähigkeiten einschränkt. Besonders in den ersten zwei Lebensjahren lernen Kinder durch direkte Interaktion mit Eltern und Umgebung – Bildschirme ersetzen diese wichtigen Erfahrungen nicht.

Experten, darunter die WHO, empfehlen, dass Kinder unter zwei - besser sogar unter drei Jahren - möglichst gar keine Bildschirmzeit haben sollten. Danach können Kinder zuerst maximal 30 Minuten, wenn älter bis zu einer Stunde pro Tag Medien mit hochwertigem, interaktivem Inhalt konsumieren – idealerweise gemeinsam mit den Eltern. Statt Bildschirmzeit sind Aktivitäten wie Vorlesen, Spielen und Bewegung entscheidend für eine gesunde Entwicklung. Eltern sollten hier Vorbilder sein und selbst einen bewussten Medienkonsum vorleben.

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Weitere Infos zum Thema finden Sie hier:

Aktueller Beitrag auf ORF OÖ: https://ooe.orf.at/stories/3313271/

Saferinternet
https://www.saferinternet.at/faq/handy-internet/eltern/was-und-wie-lange-darf-mein-kind-ab-welchem-alter-im-internet-tun

Arzt & Praxis:
https://www.medmedia.at/arzt-und-praxis/weniger-bildschirmzeit-bessere-kindesentwicklung/#:~:text=Welche%20konkreten%20Auswirkungen%20hat%20die,emotionales%20Verst%C3%A4ndnis%20und%20intellektuelle%20Entwicklung.

Kinderarztempfehlung:
https://www.kinderarzt-sauseng.at/wp-content/uploads/2017/09/Bildschirmzeiten_Kinderarzt_DrSauseng.pdf

Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und -psychiatrie:
https://oegkjp.at/parirof/2023/03/2021-05-07-OeGKJ_OeGKJP_Stellungnahme_Mediennutzung_Smartphones.pdf

Wie Babys und Kleinkinder Fernsehen & Co erleben:
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/medienwahrnehmung/0-3-jahre/

Warum "Bildschirmfrei bis 3"?
https://bildschirmfrei-bis-3.de/warum-bb3/ 

Tipps und Tricks für eine bildschirmfreie Zeit:
https://bildschirmfrei-bis-3.de/tipps-und-tricks/ 

Mein Kind und das Handy – was geht mich das an? Fokusgespräch und Aufklärungsvideos:
https://tinyurl.com/54uj7jkn 

Interview mit Kinderärztin Dr. Arnika Thiede:
https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=2166 

v.l.: Arnika Thiede, Wolfram Geyer, Franz Bichler, Paula Maringer, Bernd Zeh, Marietheres van Veen, Cécile Dau, Petra Traxler, Michaela Nikl, Christoph Rosenthaler, Eva Schmircher, Ursula Dopplinger
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